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4 Min. Lesezeit

Auf Schweizer Seen ist Kitefoilen keine Spezialistendisziplin, sondern oft die einzige Möglichkeit, überhaupt aufs Wasser zu kommen. Wo ein Twintip 15 Knoten braucht, hebt ein Foil bei 8 ab und bleibt bei 6 in der Luft. Auf einem Revier, wo die Thermik selten über 12 Knoten geht, verlängert das Ihre Saison nicht ein bisschen — es verdoppelt sie. Hier steht, was sich beim Wechsel vom Twintip aufs Foil wirklich ändert und in welcher Reihenfolge Sie den Umstieg angehen.

Was sich konkret ändert

Der erste Reflex ist zu glauben, man tausche einfach ein Board gegen ein anderes. Tatsächlich ändern sich drei Dinge gleichzeitig.

Die Kraft wird anders verwaltet. Auf dem Twintip stecken Sie Böen mit dem Körper und dem Kantendruck weg. Auf dem Foil führt eine Böe unmittelbar zum Steigen. Gesteuert wird mit den Beinen, nicht mit der Bar: Man schluckt die Böe durch Beugen, man zieht nicht an. Genau dieser Punkt irritiert erfahrene Kitesurfer am meisten, weil ihre Automatismen gegen sie arbeiten.

Der Kite wird kleiner — und vor allem stabiler. Ein Kitefoiler bei 10 Knoten fährt oft weniger Fläche als ein Twintip-Fahrer bei 20. Entscheidend ist nicht mehr der rohe Zug, sondern die Fähigkeit des Kites, in den Löchern oben zu bleiben, ohne im Windfenster zurückzufallen. Ein Kite, der bei nachlassendem Druck einklappt, macht das Foilen unmöglich.

Das Geschwindigkeitsgefühl bricht ein, während die reale Geschwindigkeit steigt. Keine Kabbelwelle mehr in den Beinen, kein Lärm, keine Vibration. Diese Stille ist der Grund, warum die meisten auf Seen nicht mehr zum Twintip zurückkehren.

In welcher Reihenfolge lernen

Kitefoilen lernt man sauber, wenn man die Schwierigkeiten trennt. Diese Reihenfolge funktioniert:

  1. Zuerst den Kite blind beherrschen. Wenn Sie Ihren Kite zum Steuern noch anschauen müssen, ist es zu früh. Das Foil verlangt Ihre ganze Aufmerksamkeit nach unten.
  2. Bewusst untergetucht fahren, Board flach. Die ersten Sessions laufen ganz ohne Flugversuch: Höhe laufen, abfallen, sich daran gewöhnen, dass das Board um eine Achse unter den Füssen kippt.
  3. Tief fliegen, dafür lange. Zehn Zentimeter Flughöhe über dreissig Sekunden sind mehr wert als ein Meter über zwei. Das Ziel ist stabiler Flug, nicht Höhe.
  4. Die Wende zuletzt. Die Foil-Halse kommt, wenn der Geradeausflug sitzt — nie vorher.

Rechnen Sie mit drei bis fünf Sessions, wenn Sie sicher kiten, mit mehr, wenn Sie tiefer einsteigen. Es geht schneller als beim Wingfoilen, weil der Zug des Kites konstant bleibt, während Sie sich auf die Füsse konzentrieren.

Welches Foil für den Anfang

Die Versuchung ist gross, gleich ein Racefoil zu nehmen, weil man das in Videos sieht. Das ist ein teurer Fehler: Ein Wettkampffoil hat ein hohes Geschwindigkeitsfenster und verzeiht sehr wenig.

Zum Lernen brauchen Sie das Gegenteil: viel Frontwing-Fläche, moderate Streckung, ein kurzer Mast. Die grosse Fläche hebt früh ab und fliegt langsam. Die moderate Streckung macht das Foil in der Nicklage gutmütig. Ein Mast von 70 bis 75 cm begrenzt die Fallhöhe und erleichtert den Wiedereinstieg im flachen Wasser. Auf langen Mast und dünnes Profil wechselt man später, wenn der Flug stabil ist — und dann spürt man den Unterschied sofort.

Unser Foil-Sortiment deckt beide Stufen ab, und der Frontwing lässt sich tauschen, ohne den ganzen Aufbau zu wechseln: genau darin liegt der Sinn eines modularen Systems.

Sicherheit — foilspezifisch

Ein Foil ist ein scharfes Gerät. Zwei Regeln lohnen die Wiederholung: Halten Sie grossen Abstand zu anderen Fahrern — deutlich mehr als auf dem Twintip, weil Ihr Material unter Wasser gefährlich und unsichtbar ist — und steigen Sie von hinten aufs Board, nie von der Seite, an der der Mast sitzt. Helm und Auftriebshilfe sind hier Grundausrüstung, nicht Übervorsicht.

Und auf Schweizer Seen gilt: Die vorgeschriebenen Abstände zu Kursschiffen und Landestegen ändern sich nicht, nur weil Sie fliegen. Sie sind kantonal festgelegt und bleiben dieselben.

Kitefoil oder Wingfoil?

Die Frage kommt in jedem Ladengespräch. Das Kitefoil läuft besser Höhe, ist schneller und funktioniert bei weniger Wind. Das Wingfoil trägt man in einem Gang zum Wasser, startet allein von jedem Ufer und braucht keinen Startplatz. Viele unserer Kunden machen beides — mit demselben Foil und zwei Boards.

Wenn Sie unschlüssig sind, kommen Sie vorbei. Wir fahren auf dem Neuenburgersee unter denselben Bedingungen wie Sie und beraten lieber in Richtung dessen, was Sie am häufigsten aufs Wasser bringt.

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